Heimat- und Geschichtsverein Jesberg e.V.

Thema: Lesung aus der Schrift von Frau Erika Trus : „Geschichte    meines  Lebens“

Termin: Donnerstag, den 16. Mai 2013 um 19:00 Uhr

Ort: Maximilianschloss in der Schlossstraße in Jesberg

Frau Trus ist als langjährige ortsansässige Lehrerin in Jesberg den meisten von uns sehr gut bekannt und erfreut sich großer Wertschätzung bei ihren ehemaligen Schülern und in der Bevölkerung. Wir vom Heimat- und Geschichtsverein haben nun erfahren, dass Frau Trus Anfang des Jahres 2011 in nur drei Monaten bei schon recht angeschlagenen Gesundheit, aber mit sehr wachen Kopf, im Alter von 82 Jahren eine umfangreiche 145- seitige wunderbar formulierte Schrift verfasst hat. Thema: Die Geschichte meines Lebens.

Es ist uns ein großes Bedürfnis, diese Schrift öffentlich zu machen.

Damit wollen wir Frau Trus, bei der so viele von uns – für die ersten Jahre noch unser Fräulein Rezabeck – Unterricht hatten und an die wir gern und anerkennend zurückdenken, in gebotener Weise ehren. Die Schrift ist aber darüber hinaus von großem  historisch-politischem Interesse. Mit der Schrift hat sie eigentlich nur das Ziel verfolgt, ihr privates Leben für ihre Kinder und Enkel zu dokumentieren. Dabei wird dann aber deutlich, mit welcher Intensität ihre Lebensumstände und die Ereignisse des 2.  Weltkrieges und dessen Folgen sich auf ihr Leben auswirkten, tragisch, äußerst hart aus heutiger Sicht kaum erträglich, ehe sie dann eine Lehrerstelle zufällig in Jesberg zugeteilt erhielt, hier ihre Familie gründete und in der neuen Heimat das Nachkriegsleben privat und öffentlich tatkräftig gestaltete.

Aus dem Inhalt der Schrift sei kurz folgendes angegeben:

Ihre Familie wohnte in einem deutschsprachigen Dorf namens Hochwies in der westlichen Mittel- slowakei. Unter schwierigen und sehr einfachen Lebensumständen hat sie als ältestes Kind schon früh für die vielköpfige Familie mitzusorgen. Im Jahre 1939 kommt sie zu einem wohlhabenden Onkel nach Frankfurt, um es in dessen Familie besser zu haben. Dort ist sie aber in den nächsten Jahren äußerst intensiv den wiederholten Bombardierungen der Stadt ausgesetzt. Das ist dann Veranlassung, sie wieder in die so friedliche Heimat zurückkehren zu lassen. Dort gerät aber ihr Dorf und damit auch ihre Familie in heftige  kriegerische Auseinandersetzungen: Partisanenaufstand der Slowaken gegen die Deutschen, Niederwerfung des Aufstands durch deutsches Militär, anschließend Eroberung durch die russischen Truppen. Es folgen von Ende 1944 an Vertreibung, wechselndes Lagerleben, Erniedrigungen und schwerste Arbeit, ehe sie schließlich Ende 1946 im Westen anlangt. Hier dann Gelegenheitsarbeiten, um zu überleben, schließlich aber doch noch Beendigung der Oberschule und Lehrerausbildung unter schlichtesten Verhältnissen in dem Pädagogischen Institut in Jugenheim. Im Herbst 1955 erhält die junge Lehrerin aus Südhessen kommend ihre erste Stelle – im entfernten und unbekannten Dorf Jesberg. Hier bleibt sie, wie wir zu schätzen wissen: Heirat, Leben der Familie in einem Haus, das Juden während der Nazizeit hatten aufgeben müssen, Kinder, Schul- und Dorfleben, Existenzgründung für die nächste Generation.

Die Lebensgeschichte von Frau Trus erinnert durchaus an den tief bewegenden Fernsehfilm „Unsere Mütter, unsere Väter“, den wir vor wenigen Wochen sehen konnten. Diese Schilderung aus dem privaten Bereich macht deutlich, wie sehr die politischen und militärischen Ereignisse, an denen Deutsche schwere Schuld tragen, sich auf alle Menschen auswirkten, wie diese Menschen zu überleben versuchten und wie sie schließlich die Kraft und den Mut hatten, neu zu beginnen.

Wir sind dankbar, dass Frau Trus noch die Kraft und Energie aufgebracht hat, ihr Erlebtes für uns und die Nachwelt festzuhalten. Wir wissen, dass auch viele andere aus unsere Dorf ein ähnliches Schicksal haben ertragen müssen, wurden doch nach dem Krieg annähernd 400 Flüchtlinge und Vertriebene hier aufgenommen, von denen viele dauerhaft eine neue Heimat bei uns gefunden haben.

In der angekündigten Veranstaltung wollen wir Auszüge aus der Schrift vortragen lassen und anschießend über den Inhalt ein Gespräch führen und diskutieren. Dies auch deshalb, weil über die alte Geschichte von Jesberg zwar recht viel geschrieben ist, dabei die Zeit, um die es hier geht, eher ausgespart ist.

Der Inhalt des Vorzutragenden ist mit Sicherheit sehr interessant aus persönlichen Gründen, vor allem aber enthält die Schrift eine beeindruckende Schilderung der harten und entbehrungsreichen Auswirkungen der großen Politik auf das Leben der sog. einfachen Menschen.

Die Veranstaltung verdient besondere Beachtung und zahlreiche Teilnahme.

Dies sind wir der langjährigen Lehrerin Erika Trus, geborene Rezabeck als ehemalige Schüler allein schon schuldig. Der Inhalt verbindet aber auch die große Zeitgeschichte mit unserer Ortschaft – bis heute hin. In diese Richtung möchte unser Verein die künftige Arbeit mehr lenken, um bei den Einwohnern größeres Interesse und mehr Mitarbeit zu erreichen.

Der Verein will  für den Ort da sein und braucht deshalb Teilnahme und Unterstützung aus der Einwohnerschaft.

In diesem Sinne: Seien Sie in heimatlicher Verbundenheit herzlich gegrüßt

Ihr Friedhelm Damm

(Vorsitzender)