Heimat- und Geschichtsverein Jesberg e.V.

Liebe Vereinsmitglieder, liebe Bewohner der Großgemeinde Jesberg!

Wir möchten Sie zu einer weiteren VEREINSVERANSTALTUNG einladen:

Termin:
MITTWOCH, 22.JANUAR 2014, 15.30 UHR IM MAXIMILIAN-SCHLOSS.

Zu dieser Nachmittagsveranstaltung sorgt unser Vorstandsmitglied Sandra Kurzrock-Tomaszewski für KAFFEE UND KUCHEN.

Thema:
Wie hat sich die Nazi-Herrschaft, der Zusammenbruch, die Aufnahme von Evakuierten und Vertriebenen, der Einmarsch der amerikanischen Besatzer in unserem Jesberg ausgewirkt?

WAS KÖNNEN ZEITZEUGEN AUS UNSERER GROSSGEMEINDE DAZU BERICHTEN?

Dazu sei erinnert an unseren Abend vom 20.9.2013 mit dem REFERENTEN HERMANN SAUER zu dieser Thematik (Nazi-Herrschaft, Zusammenbruch, Evakuierte und Vertriebene, amerikanische Besatzer).

Der Abend stieß auf ganz ungewöhnlich großes Interesse in der Bevölkerung, fast 100 Besucher, eine wohl äußerst selten erreichte Teilnehmerzahl. 22-1

Als Schwerpunkte kamen – neben dem persönlichen Familienschicksal – heraus:

Schicksal der ca. 80 Juden, die in Jesberg lebten und dann dem Hass zum Opfer fielen. Viele von ihnen konnten wohl noch auswandern, Verbliebene fanden ihr schreckliches Ende in deutschen Vernichtungslagern.

Über 90 gefallene Soldaten, eine kolossal hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass zu Beginn des Kriegs ca. 1000 Menschen in Jesberg lebten, Hälfte Frauen, von den verbleibenden 500 männlichen Geschlechts sicher mehr als die Hälfte noch zu jung oder schon zu alt für den Einsatz als Soldaten. Folge: mehr als jeder dritte Jesberger Mann im Soldatenalter hat sein Leben in einem größenwahnsinnigen Krieg verloren.

Eine große Bereicherung erfuhr der Ort durch die Evakuierten, Flüchtlinge und Vertriebenen, dadurch Anstieg der Bevölkerung von zunächst 1000 dann auf 1800 Bewohner.

Zum Schluss besonders berührend der Bericht, er habe in den Unterlagen seines Vaters das sehr tragische Schicksal eines Jesbergers nachlesen können: Von 1936 an bis Kriegsende in verschiedenen Konzentrationslagern und bei Kriegsende als einer von Wenigen im Konzentrationslager Buchenwald von den Amerikanern befreit – das Verbrechen des Lagerinsassen: eine nicht gewünschte Religion, der er nicht abschwor.

So sehr es dem Referenten Sauer auch gelang, die Thematik kenntnisreich, plastisch und bewegend darzubieten, die Teilnehmer in den Bann zu ziehen, konnte er viele Gesichtspunkte nur anreißen, auch weil er über manche Punkte natürlich nicht genaue Kenntnisse in alle Einzelheiten hat. Deshalb regte H. Sauer in seinem Vortrag wiederholt an, weitere Einzelheiten in Gesprächen mit noch lebenden Zeitzeugen versuchen zu erfragen. Und es war an dem Abend auch der sichere Eindruck zu gewinnen, dass tatsächlich Zeitzeugen noch viele Kenntnisse beitragen könnten und dass sie ihre Kenntnisse und Erlebnisse auch gern loswerden wollen, gern erzählen und berichten würden.22-2

Deshalb soll unser Nachmittag der Vertiefung dieser Thematik dienen. Wir laden alle möglichen Zeitzeugen ein, um im Gespräch über unsere von ihnen noch erlebte Ortsgeschichte Geschichte zu erfahren und dauerhaft zu dokumentieren. Selbstverständlich laden wir auch alle anderen Vereinsmitglieder und Ortsbewohner dazu ein, sicher für alle wieder sehr interessant.

Klarstellend sei nochmals hervorgehoben: Es geht uns nicht darum, damalige Vorkommnisse und damals Beteiligte aus heutiger bequemer Sicht an den Pranger zu stellen. Es sollte aber auch nicht sein, dass dieser Teil der Ortsgeschichte dauerhaft fast ganz verschwiegen bleibt.

Es grüßt Sie wieder in heimatlicher Verbundenheit

Ihr Friedhelm Damm (Vors.)